(Stets eingenommen vom Denken mancher Leute und vom Unvermögen der anderen)

LEBENSLAUF

Geboren am 20. Januar 1933 in Tetschen/Nordböhmen (heute Děčín/Česká republika),

gestorben am 26. März 2018 in Neu Frauenmark,Mecklenburg.

bis 1945 glückliche Kindheit in Böhmen

1945 kurz vor dem Ende des II.Weltkriegs - Ausweisung aller Sudetendeutschen, so auch der Familie John aus Böhmen - erreicht die Familie, alles zurücklassend, lebend das die Nächte zuvor zerstörte Dresden und kommt bei den Tanten der Familie in Dresden-Loschwitz unter, deren Haus als eines der Wenigen an der Elbe, direkt am Blauen Wunder, stehengeblieben war. Die Wohnung der beiden Tanten, zweier Schwestern, war schon berstend voll mit Ausgebombten und Flüchtlingen.

Die hochschwangere Mutter, wird ein paar Tage später am hellichten Tage auf dem Trümmerfeld eines Krankenhauses seine Schwester Barbara John zur Welt bringen.

Nach verschiedenen Stationen in der Sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, Umsiedlung der Familie nach Zerbst (Sachsen-Anhalt), die die Familie 1951illegal Richtung Westen/ BRD nach Kleve am Niederrhein verlässt.

Noch im selben Jahr (nach Arbeitslosigkeit und Gelegenheitsarbeiten im Tagebau) kehrt John zu seiner zurückgebliebenen Großmutter 500 km mit dem Fahrrad in die DDR, nach Zerbst, zurück.

1952 Abitur in Köthen (Sachsen-Anhalt), anschl. Lehre als Chemiewerker in Rodleben.

1953 stirbt der Vater in Kleve /BRD.

Als ihm die Ausreise zur Beerdigung verwehrt wird, verlässt John abermals die DDR illegal. Und nimmt nun die Großmutter mit in den Westen.

1954 zieht John, allein erneut in die DDR, nicht ohne sich ein zweites Mal ein Begrüßungsgeld abzuholen, welches für Übersiedler aus der BRD in die DDR 35,- Mark der DDR betrug.

1954 kommt er wieder bei den zwei zusammenlebenden Tanten, den Schwestern Charlotte und Marianne Reinisch in Dresden-Loschwitz unter, welche im Winter 1945 auf einer Eisscholle, in der Elbe treibend, einen eingewickelten Säugling finden und herausfischen und das Kind später adoptieren und prächtig zu ihrer Tochter großziehen.

John wird für ein knappes Jahr Bühnenhandwerker und Requisiteur am Staatlichen Operettentheater Dresden, und dann Student für Schauspiel und Regie an der Theaterhochschule Leipzig, wo er wegen Frechheit und politischer „Provokationen“ schon nach vier Monaten hochkant wieder rausgeschmissen/exmatrikuliert wird.

John hat also zweimal illegal die DDR verlassen.

Und zweimal die BRD.

1955 – 59 Studium an der Ernst Moritz Arndt Universität (heute Universität-Greifswald) bei Prof. Wegehaupt für Kunsterziehung, welches er nach dem Tod des Professors, abbricht.

Zusammen mit dem Maler Wulf Sailer zieht er nach Usedom, wo sie durch den Maler Otto Niemeyer-Holstein in Zempin eine alte Fischräucherei erwerben und beginnen, freischaffend als Künstler zu arbeiten.

Mit dem Maler Otto-Niemeyer-Holstein (1896-1984) beginnt eine lebenslange enge Freundschaft. Durch ihn bekommt er Kontakt zu dem Bildhauer Fritz Cremer (1906-1993), der ihn nach Berlin einlädt, an der Ausstellung „Junge Künstler-Malerei“ der Akademie der Künste in Berlin teilzunehmen.

1963 zieht Joachim John ganz nach Berlin und ist von 1963 – 65 Meisterschüler bei Hans Theo Richter (1902-1969) an der Akademie der Künste der DDR am Pariser Platz (der heutigen Akademie der Künste Berlin)

Dort freundet er sich mit zahlreichen Berliner Künstlerkollegen an, wie Arno Mohr, Gabriele Mucchi, Herbert Tucholski, John Heartfield, Otto Nagel, Gerhard Rommel, Werner Stötzer, Hans Vent, Dieter Golzsche, Ronald Paris, Rolf Schubert….

1965 dreimonatige Studienreise in die Sowjetunion zusammen mit Rolf Schubert. Besuche der großen Museen in Moskau und Leningrad, dann Kaukasus. Auf dem Wege begegnet er dem Maler, Grafiker und Bildhauer Anatoli Kaplan. Viele Landschaftsbilder des Kaukasus entstehen, die, wieder aufgefunden, im Archiv Joachim John bis heute erhalten sind.

Nach Abschluß seiner Zeit als Meisterschüler bleibt John in Berlin und arbeitet als freischaffender Künstler.

Er lebt fortan im Prenzlauer Berg, zusammen mit seiner seit 1964 bis zu seinem Tod 2018 ihn begleitenden, lebenslangen Partnerin Helga Kröger. Zusammen haben sie 2 Söhne: Hinrich, geb 1965, und Karl, geb.1979.

Später,1977, zieht die Familie mit Hund und drei Katzen nach Neu-Frauenmark, in ein großes Bauernhaus in Mecklenburg um.

Sein Atelier befindet sich nun über viele Jahre im Bötzowviertel in der Käthe Niederkirchner Strasse. Später bezieht er ein Dach-Atelier im Frankfurter Tor Nr.7 mit Fahrstuhl, Müllschlucker und Milchglasdach und 10 Meter langem Balkon (die Familie glaubte sich bei Besuchen immer in Hollywood) und lernt Martha Engel kennen, die Widerstandskämpferin in der NS Zeit war, und ebenfalls mit vielen anderen ehemaligen Opfern des Naziregimes im Haus Nr.7 des Frankfurter Tores wohnt.

lZahlreiche Ausstellungen im In -und Ausland.

1978 1.Preis für „Politische Graphik“ , und 1. Preis „Kritikerpreis" für Graphik

1979 2.Preis „Kritikerpreis“ für Graphik

1980 1.„Kritikerpreis“ für Graphik

„Fritz Reuter-Preis“ 1. Klasse

1981 1.Preis für „Grafik zum X.Parteitag der SED“

1.Kritikerpreis für 6 Zeichnungen „Wende des Krieges“

1981 Studienaufenthalt in der Schweiz

1982 ermöglicht der Verband Bildender Künstler der DDR Joachim John und dem Maler Ingo Arnold eine dreiwöchige Studienreise durch Kolumbien, die ihn, John, nachhaltig prägte und inspirierte - der Zyklus „Max Beckmann in Süd-Amerika“ entstand und zahlreiche Gouachen, Zeichnungen, Grafiken, Aquatinten und Texte zu América Latina.

1984 2.Preis des Kulturbundes der DDR für „Chronik 83“

Sein Zyklus WOYZECK (Georg Büchner) entsteht und wird in der Deutschen Staatsoper ausgestellt.

1985/86 Käthe Kollwitz-Preis der Akademie der Künste der DDR

(1991 zeigt die Akademie eine Ausstellung dreier Kollwitzpreisträger, mittenmang Joachim John.)

1986 1.Preis Graphik für die „Vermisten“

Preisträger des Wettbewerbs „100 ausgewählte Grafiken“

1986 Wahl zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste der DDR.

1.Studienreise nach Italien

Ausmalung der Katholischen Kapelle „Delgi Angeli“ in Salussola, Italien, mit Gabrielle Mucchi und Rolf Schubert.

1988 erneute Studienreise nach Italien

1989 Panoramabild (über hundert qm) mit 80 Figuren zum 200.Jahrestag der Französischen Revolution für das Mecklenburger Staatstheater Schwerin.

1990 Gastprofessur an der Hochschule Kassel im Fachbereich „Visuelle Kommunikation“

1991 Künstlerbuch „Columbiana“

1991-1993 Letzter Sekretär (Direktor) der Sektion Bildende Kunst der Akademie der Künste (Ost)

Mitglied der „20“, vom Präsidenten Heiner Müller (1929-1995) berufen, nimmt John aktiv am Vereinigungsprozeß der beiden Akademien Ost und West teil.

1993 Ehrengast des Landes Mecklenburg-Vorpommern in der „Villa Massimo“ in Rom

Panoramabild (über 80 qm) mit 60 Figuren „Verwandlungen Deutschland“ für das Staatstheater Cottbus unter der Intendanz des Regisseurs und Theaterleiter Christoph Schroth.

Mitglied der vereinigten Akademie der Künste Berlin

1995 2.Panoramabild mit ca 50 Figuren „Verwandlungen Deutschland“ für das Staatstheater Cottbus

1996 Zusammen mit der Künstlerin Sabine Curio erhält er als Erster den amerikanischen Helen-Abbot-Award, den amerikanischen „Förderpreis für Bildende Kunst“, Washington

1997 John wird in die Kunstkommission des Landes Mecklenburg-Vorpommern berufen.

1998 Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

2000 John widmet sich neben dem Zeichnen intensiver dem Schreiben.

Weiterhin Ausstellungen, zahlreiche Lesungen (z.B. im Berliner Dom, Galerien, Bibliotheken und Kulturhäusern) und Ehrunge.

Eine der letzten Ehrungen geschah postum einige Wochen nach seinem Tod, mit dem 

Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung 2018 in der Galerie Parterre Berlin

Firedrich Diekmann (Mitglied der Akademie der Künste, Berlin) Laudatio zu Joachim John, 10. April 2018

https://friedrichdieckmann.de/text.php?id=254

Eine letzte von Joachim John zugesagte Ausstellung, hätte zusammen mit seinen, mit der Familie befreundete Künstlerkolleginnen, der Malerin Antje Fretwurst-Colberg und der Bildhauerin Emerita Pansowová, stattfinden sollen, anlässlig des 33 jährigen Bestehens der Kunstscheune Barnstorf in Wustrow.

(Diese und andere Ausstellungsangebote wurden hinter dem Rücken der Familie und entgegen dem Willen des Vaters verhindert) 

Auszug aus seinem Schaffen, Werke wie die Radierungen: Glanz der Wunden, 1976; Auferstehung u. Exekution des Friedens, 1978; Winterschlacht (zu  Johannes R. Becher), 1980; Zuschauer, 1980; Armes Andalusien, 1981; Los Desaparecidos (Die Vermißten), 1985; Die Invasion, 1986; Hölderlin 1988; Caritas , Gouachen,1989; Lenin und Stalin 1989; Heinrich von Kleist,Familie Schroffenstein 1991; Franz Kafka 1992/2008; Hanns Guck-in-die-Luft,1992; zu Leopardi Der Froschmäusekrieg,1992; Mecklenburger Landschaften ,1993 und immer wieder...; Rom,Comer See 1993; Barock ( das Innere der Klosterkirche Neuzelle,Raierungen,1994/97; Machiavellis Mandragula,1996; Theodor Fontane 1998; Friedrich Schiller Don Carlos,2003; Shakespeare,Sonett 66,2008/2009; Kopfstand Käfer 2012; Berliner Mauer 2014/15; Etüden bis 2018….

Eine Großzahl der Radierungen und Aquatinten wurden über die Jahrzehnte, von dem hervorragenden,renommierten Grafik-Drucker Ernst Lau gedruckt.

Großen Dank der Familie Kröger-John an die Kunsthistorikerin Gudrun Schmidt !

für die Aufarbeitung und Dokumentierung des Nachlasses Joachim John in Neu-Frauenmark 2018 und schon zuvor für ihre Auswahl der Arbeiten zur großen Schenkung an die Akademie der Künste Berlin 2011,sowie für die umfassende Sichtung und Aufarbeitung des gesamten literarischen Erbes 2026, das sich nun im JOACHIM JOHN ARCHIV in Berlin befindet.

Gudrun Schmidt studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Geschichte in (Ost-)Berlin. Im Jahr 1988 begann sie ihre Tätigkeit in der Kunstsammlung der Akademie der Künste der DDR. Nach der Wende und der Zusammenführung der Ost- und West-Akademien im Jahr 1993 übernahm sie die Leitung der Kunstsammlung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste. In dieser Funktion und als Publizistin war sie maßgeblich am Aufbau und der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Sammlungsbestände sowie der Kriegsverluste beteiligt.

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